Der erzgebirgische Schwibbogen vereint uralte erzgebirgische Weihnachtsbräuche, die Verkörperung bergmännischen Gedankengutes und das Illuminieren, die bewusste Darstellung des Lichtes als Ausdruck der Wärme, Geborgenheit und Friedenssehnsucht. Die ersten Schwibbogen stammen aus der Gegend von Johanngeorgenstadt - bei Schwarzenberg, aus den Huthäusern am Fastenberg. Nach uralter Gewohnheit trafen sich die Bergleute am Jahresende im Huthaus oder ihrer Kaue zum Zechenheiligabend, wo sie in fröhlich, besinnlicher Runde die Mettenschicht feierten.

Da mag es schon bogenförmige Lichterträger aus Holz gegeben haben, vielleicht hingen auch die Hauer ihre brennenden Geleuchte, ihre Blenden, am Stollenmundloch auf. Der alten Sitte des Schenkers zur Weihnachtszeit folgend, verehrte der Bergschmied seiner Knappschaft einen Weihnachtsleuchter aus Eisen, den er in Anlehnung an den Stützbogen in der Architektur, wie er auch in bergmännischen Stollenausmauerungen angewandt wurde, -Schwebebogen- "Schwibbogen" nannte. Als Vertrauter von Steiger und Mannschaft wurde auch der Bergschmied zu den Bergmetten geladen, hing doch der Ertrag der Grube viel von seinem Können bei der Herstellung und Instandhaltung der bergmännischen Werkzeuge, der Gezehe, und anderer Hilfsmittel ab.

So liest man auf den älteren Schwibbogen neben der Jahreszahl 1778 die Namen des Bergschmiedes Teller und des Obersteigers Friedrich. Im Bild dominierten zunächst neben Berufssymbolen und Wappen religiöse Motive von Adam und Eva. Doch umgeben von Sternenhimmel und Felsengewölbe rückten bald Bergleute, Steiger und Bergschmied in Arbeits- und Aufzugstracht in das Bogenfeld. Es entstanden eine ganze Reihe dieser Kleinod echter handwerklicher Schmiedekunst, teils bunt bemalt und mit einem Vorbau versehen oder nur als Silhouette gefertigt, schlicht und wirkungsvoll vor eine weiße Wand gestellt.

Immer neue Schwibbogenmotive kommen hinzu, mit Stilgefühl und schöpferischem Einfallsreichtum bald auch von Schnitzern und Bastlern in dem ihnen vertrauten Werkstoff Holz gestaltet.

Neben dem Schwibbogen für alle, aufgestellt im Freien an öffentlichen Plätzen, leuchten in der Winterzeit tausende von Lichterbögen aus den Fenstern der Häuser im Erzgebirge. Schwibbogen sind traditionell aus Schwarzmetall geschmiedet oder in Laubsägearbeit in Holz gesägt, jedoch gibt es auch Bogen die aus Massivholz gefertigt werden. Sie sind bestückt mit Halterungen für Wachskerzen oder elektrischer Beleuchtung.

1937-38 fand in Schwarzenberg eine große Weihnachtsschau erzgebirgischer Volkskunst unter dem Namen "Feierohmd" statt. Ein ansprechendes Signet als Blickfang wurde benötigt. Die Grafikerin Paula Jordan erhielt von F.E. Krauss den Auftrag, ein solches in einer dem Erzgebirge entsprechenden Form zu schaffen. Von ihren Entwürfen wurde dasjenige gewählt, in den die vertrauten Gestalten des Bergmannes neben Schnitzer und der Klöpplerin unter dem Lichterbogen vereint sind.

Die Johanngeorgenstädter Bergschmiedemeister Max Adler und Curt Teller fertigten einen Großschwibbogen nach dem Signet, mit einer Länge von 6,50 m als einen Beitrag der Bergstadt. Damit hatte der Großschwibbogen sein Debüt zur "Feierohmd-Schau" auf dem Marktplatz in Schwarzenberg. Nach Abschluss der Ausstellung kam er wieder nach Johanngeorgenstadt zurück und steht heute noch an der Eibenstocker Sraße.

Die Bildgestaltung:
Im Mittelpunkt tragen zwei Bergleute ein Wappen mit den sächsischen Kurschwertern, das Hufeisen darunter stellt eine Reminiszenz an den Bergschmied dar. Zwischen den Bergleuten befindet sich eine Truhe mit dem Werkzeug des Bergmanns, Schlegel und Bergeisen. Das Werkzeug wird auch Gezähe genannt. Mit dem Bergbau eng verbunden ist die erzgebirgische Volkskunst, das Klöppeln und das Schnitzen. Die weihnachtlichen Traditionen sind mit der Leuchterspinne, dem Lichterengel und dem Räuchermann (oftmals auch guter Geist des Hauses genannt) dargestellt. Die Blume zu Füßen der Klöpplerin bringt den fruchtbaren Boden der erzgebirgischen Volkskunst zum Ausdruck, während aus der Ecke die Lebensblume aus den alten Sagen unserer Heimat hervorschaut.

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