Geschichte der Räuchermänner

Wohlriechende Kräuter, Harze und Hölzer wurden bereits im Altertum verschwelt. Glimmende Duftstoffe waren bei Römern und Ägyptern beliebt. Auch im Erzgebirge ließ man schon vor der Entwicklung von Räucherkerzen und Räucherfiguren in den kalten Winternächten Tannenreisig auf der Ofenplatte, über der Kerzenflamme oder Riechpulver und Räucherpapier in flachen Schalen verschwelen. Man empfand dabei Freude am Wohlgeruch und wollte böse Geister vertreiben und gute herbeilocken.

Erst das 19. Jahrhundert ließ mit der aufkommenden Sitte des öffentlichen Rauchens die Figur des Mannes mit der Pfeife im Mund volkstümlich werden. Das reizte die Spielzeugmacher zur Nachgestaltung. Die hohl gedrechselte Docke bot sich dafür ganz besonders an. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die Spielzeugdrechsler und Volkskünstler des Erzgebirges sich dieser Gestaltungsmöglichkeit annahmen.

Der Türke mit seinem langen farbigen Mantel war für die Räuchermanngestaltung besonders geeignet. Das Pfeiferauchen als Inbegriff der Gemütlichkeit führte aber im Laufe der letzten 150 Jahre vor allem zur Gestaltung einer "endlosen Kette rauchender Volkstypen" in der Erzgebirgischen Volkskunstproduktion. Es wurden Menschen der dörflichen Lebenswelt gestaltet: Hausierer, Vogelhändler, Waldarbeiter, Jäger, Bergmann, Eisenbahner, Postbote, Feuerwehrmann, Handwerker, Musikanten, aber auch Schneemänner und Räucherhäuschen und ähnliches.

Besonders beliebt war und ist der "Rastelbinder", der das Geschirr der Hausfrau reparierte und der mit allerlei Hausrat handelte. Im Gegensatz zum thüringischen Raum, in dem in der Zeit um 1820/30 Räucherfiguren aus Papiermasse hergestellt wurden, entstand die hölzerne gedrechselte Form im Erzgebirge. Der Schöpfer der gedrechselten Figuren soll vorwiegend der um 1850 in Heidelberg bei Olbernhau lebende Ferdinand Frohs gewesen sein. Er übersetzte vom Motiv her auch Spielzeugfiguren, die wir nach Vergleich mit Darstellungen von Essenkehrer aus einem Olbernhauer Musterbuch von 1877 feststellen konnten. Später übernahm sein Neffe Gotthelf Friedrich Haustein, der bei ihm Geselle war und sich um 1860 selbstständig machte, die Räuchermännchenproduktion.

In der heutigen Form ist der grundsätzliche inhaltliche Bezug zum gemütvollen Rauchen erhalten geblieben. Es werden eine Vielzahl von Räuchermanntypen nach traditionellen Vorbildern, aber auch neue, zeitbezogen Figuren gestaltet und produziert. Zum ursprünglichnaiven Realismus ist in der letzten Zeit eine ausgewogene Formgebung hinzugekommen, die auf das Wirken ausgebildeter Gestalter zurückzuführen ist. Die Farben der Figuren sind meist gedämpft, Mischfarben dominieren, meist sind es pastellartige Tönungen und größtenteils matte Oberflächen. Oft bleiben Partien farblos, um die Struktur des Holzes hervorzuheben, einige Modelle sind ganz in Naturholz gehalten oder die Maserung wurde sandgestrahlt und dadurch hervorgehoben.

Erzgebirgische Räuchermänner (Raachermannl) sind Sinnbild für Gemütlichkeit und bringen einen gesunden Humor ihrer Schöpfer zum Ausdruck. Karikaturhafte Darstellungen oder Clownerie sind ihnen fremd. Zuweilen werden auch rauchende Häuschen oder dampfende Schüsseln gestaltet. Damit die Räuchermännchen in Funktion treten können, benötigt man kegelförmige Räucherkerzen, die es in verschiedenen Duftnoten gibt. Räucherkerze an der Spitze anzünden –Oberteil des Räuchermannes abnehmen- Räucherkerze reinstellen und Oberteil vorsichtig wieder aufsetzen- das Räucherkerzchen kann nun verglimmen und der Räuchermann dampft aus seinem Mund.

Tip: Auch wenn an Sommertagen Insekten plagen, zünden sie ein Kerzchen an - Ruhe haben sie dann!

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